Der Single in der Politik: alleine auf weiter Flur
Bulletin 4/25, Dezember 2025, Zusammenfassung: Marcel Leibacher
Das Podium «Stellung der Alleinstehenden in der Politik» diskutierte mit prominenter Vertretung, was die Stellung der Singles in der Schweizer Politik ist. Fazit: Die 1.4 Millionen Frauen und Männer in den Schweizer Einpersonenhaushalten sind in Politik und Medien unsichtbar.
Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum hat der Vorstand von Pro Single Schweiz seine Mitglieder und interessierte Personen in den Zürcher Glockenhof eingeladen, die Stellung der Singles in der Schweizer Politik zu diskutieren. Und dabei nach Gründen und Lösungen zu suchen. Denn aus Sicht von Pro Single Schweiz seien die Alleinstehenden in der Politik schlicht kein Thema, wie die Präsidentin Sylvia Locher in der Begrüssung deutlich machte. Dagegen würden alle Parteien Themen wie Ehebesteuerung, Kitasubvention oder Steuergerechtigkeit für Paare bewirtschaften.
«Alleinstehende müssen vermehrt den Lifestyle anderer finanzieren, wie z.B. beim Vaterschaftsurlaub. Das geht nicht. Darum sollten sie ihre Interessenvertretung auf Bundesebene verstärken.» Susanne Brunner
Spurensuche – wo die Singles fehlen
Aber stimmt der Befund? Leider ja, wie der Beitrag von Frau Dr. Katharina Fontana zeigte. Und das sehr deutlich. Die renommierte Inlandredaktorin der NZZ hat sich im Inputreferat auf die Suche gemacht, wo die Singles in der parlamentarischen Arbeit ein Thema sind – oder gewesen sind. Fündig geworden ist sie allerdings weder im Rückblick über 20 Jahre Bundespolitik noch in den aktuellen politischen Geschäften: Singles sind in Bundesbern schlicht kein Thema. Die Abwesenheit der Singles gilt aber nicht nur in der Politik, sondern auch für die begleitenden Medien selbst, wie Fontana selbstkritisch auf ihre Berichterstattung zurückblickte. Das vollständige Referat liegt diesem Bulletin bei.
Singles – ohne Interessen oder nicht interessant?
Wie kann das aber sein? Diese Frage diskutierten Andrea Gisler, Susanne Brunner und Michael Töngi unter der Moderation von Claudia Wirz. Schnell wurde klar: Den Singles in der Schweiz fehlt eine politische Vertretung ihrer Interessen – und das sowohl national wie kantonal. Da aber finanzpolitische Themen wie Steuern, Rente oder Erbschaft (Erbschaftssteuern jedoch auf Kantonsebene) auf Bundesebene angesiedelt sind, schmerzt die fehlende Vertretung im Parlament nicht nur thematisch, sondern auch ganz konkret – mit entsprechenden finanziellen Folgen.
«Schaut man sich die nationalen Beratungen an, habe ich oft den Eindruck, es gibt ein ‹Single Shaming›. Wir brauchen deshalb positive Vorbilder, die in der Politik dagegen wirken können.» Andrea Gisler
Wie nun aber eine solche Vertretung aussehen müsste und in welchen Themen, darüber konnten sich die politischen Vertreterinnen und Vertreter nicht einigen. So prallten bei der Diskussion zu Individualbesteuerung, den Sozialversicherungen oder auch der Stellung der Hausfrau die parteipolitischen Positionen aufeinander, ohne jedoch dem Publikum einen Hinweis darauf zu liefern, wie denn nun die Singles ihre Positionen einbringen könnten. So trat dann indirekt an ganz verschiedenen Punkten der Diskussion die Frage auf: Was sind denn die Positionen der Singles? Und wer könnte diese ebenfalls vertreten? Denn ohne Allianzen, soweit waren sich im Podium alle einig, lassen sich keine Lösungen finden.
Zukunft – Rollenbilder für Singles gesucht
Einen Vorschlag, wie eine solche Lösung in der Zukunft aussehen könnte, brachte Andrea Gisler ein. Sie erinnerte daran, wie stark Bilder in der Politik wirken – so habe jeder sein Bild von Ehepaaren oder Kindern. Wenn es aber um Singles gehe, fehlten diese Bilder. Deshalb, so folgerte die Politikerin, sei die Entwicklung von solchen Bildern und Rollenverständnissen ein zentraler Punkt, wenn die Singles in Zukunft mehr Gewicht haben wollten.
«Bei Sozialversicherungen und Steuern gibt es Ungerechtigkeiten gegenüber Singles, die man anschauen muss. Finanziell gesehen ist die Kinderbetreuung für mich aber das grössere gesellschaftliche Thema.» Michael Töngi
Während der Vorschlag generell auf breite Zustimmung auch im Publikum traf, gingen die konkreten Meinungen in der anschliessenden Publikumsdiskussion weit auseinander. Hier wie im anschliessenden Apéro zeigte sich: Mit dem Podium ist ein erster Schritt in die Zukunft gemacht, nun aber gilt es die nächsten zu tun!
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